Im Schienennetz der Region fehlen derzeit wichtige Verbindungen, bestehende Verbindungen verfügen nicht über ausreichende Kapazitäten. Die Schaffung leistungsfähiger Verbindungen in die Nachbarländer und die Sanierung und Modernisierung bestehender Verbindungen in grenznahen Gebieten sind eine wichtige Voraussetzung für das Zusammenwachsen der Region. Zu den langjährigen Forderungen für den Raum Wien gehören die Durchbindung Wien bzw. der Bahnhof Wien und die Fernverkehrsanbindung für den Flughafen Wien.
Für eine effiziente Bedienung der Region über die Schiene und die Umgestaltung des Verkehrsträgers Bahn zu einer konkurrenzfähigen Alternative zum Auto ist die Harmonisierung der nationalen Schienensysteme eine Voraussetzung. Die Harmonisierung muss in folgenden Bereichen gefordert werden:
Harmonisierung der Zulassungsvorschriften für Rollmaterial: In Hinblick auf einen grenzüberschreitenden Schienenverkehr sind im Vorfeld die Anforderungen für die Zulassung von Schienenfahrzeugen anzugleichen. Um eine Harmonisierung der Zulassungsvorschriften herbeizuführen, wäre die Schaffung einer Europäischen Zulassungsbehörde für Eisenbahnmaterial sinnvoll.
Harmonisierung rechtlicher Rahmenbedingungen: Analog zu der international gültigen Straßenverkehrsordnung ist eine ebenso europaweit gültige Schienenverkehrsordnung einzuführen. Das gilt vor allem für sicherheitstechnische Aspekte. Eine Harmonisierung würde eine deutliche Verkürzung der Grenzaufenthalte ermöglichen.
Harmonisierung der EDV-Schnittstellen zwischen den Bahnverwaltungen: Derzeit gibt es keine einheitlichen EDV-Schnittstellen, die die Weitergabe von Zugdaten im grenzüberschreitenden Verkehr ermöglichen. Die Zugdaten werden zum Beispiel vom tschechischen Bahnpersonal auf Papier ausgedruckt und bei der Zugübergabe dem österreichischen Bahnpersonal ausgehändigt, das diese Daten dann wieder in einen Computer eingibt. Hier sind kompatible EDV-Systeme notwendig.
Attraktiver Schienengrenzverkehr durch Harmonisierung der Schienensysteme: Eine Streckenbeschleunigung ist sinnlos, solange die Züge lange Stehzeiten an den Grenzen verbringen. Um einen reibungslosen und insbesondere schnellen Grenzübertritt zu ermöglichen, ist eine Angleichung der Schienensysteme anzustreben. Während das Problem unterschiedlicher Stromsysteme bereits durch Mehrsystemlokomotiven gelöst ist, stellen vor allem die unterschiedlichen Signalsysteme ein großes Hindernis dar. Die Einführung des europäischen Standards ETCS ist daher möglichst rasch auf allen Hauptstrecken zu realisieren.
Schaffung einer Schienen-Kontrollagentur: Im Zuge der Liberalisierung muss die Ermöglichung bzw. Vereinfachung europaweiter Transporte durch private Bahnanbieter vermehrt Berücksichtigung finden. Analog der Eurocontrol im Bereich des Flugverkehrs ist im Bereich des Schienenverkehrs eine europäische Schienen-Kontrollagentur bzw. eine europäische Eisenbahnbehörde zu schaffen.
Auswirkungen der Liberalisierung
Im Zusammenhang mit der von der EU seit Anfang der 90er Jahre angestrebten Liberalisierung des Schienenverkehrsmarktes kam es am 15. März 2003 mit dem Inkrafttreten des ?Ersten Eisenbahnpakets" zu einem entscheidenden Schritt: Es hieß Bahn frei für grenzüberschreitende Schienenverkehrsleistung. Die effektive Umsetzung dieser Richtlinie setzt die Harmonisierung in den oben genannten Bereichen voraus. In jenen Ländern, in denen eine Liberalisierung und Umstrukturierung der Eisenbahngesellschaften noch nicht erfolgt ist, wird eine rasche Umsetzung gefragt sein, um einen gerechten, nicht diskriminierenden Zugang zur Infrastruktur zu gewährleisten. In der Tschechischen Republik fehlen z. B. noch die Begleitgesetze für die Liberalisierung.